Bildung ist Hilfe zur Selbsthilfe: compentus/ Stiftung unterstützt weltwärts-Projekt (Teil 2)

Zuletzt hat Florian von seiner Ankunft in Kambodscha erzählt. Eigentlich wollte er länger dort bleiben und in einer Schule arbeiten. Die Rückholmaßnahmen im Rahmen der Corona-Pandemie haben ihn dann schneller als geplant wieder nach Deutschland zurückgebracht. Dennoch berichtet er uns in diesem und einem weiteren Artikel über seine Erfahrungen und die Eindrücke, die er aus Kambodscha mitgebracht hat…

Blick auf die Schule – VDCA Anlung Pi (Foto: Florian Duffner)

 

Die Fahrt nach Anlung Pi dauerte mit Sokneys Tuktuk eine knappe Stunde und führte entlang der National Road 6 Richtung Phnom Penh. Die letzten 500 Meter Strecke absolvierten wir auf einer unbefestigten Straße, die Anlung Pi mit der National Road 6 verbindet. An der Schule erwartete uns Bunhak bereits, der mit seinem Motorrad etwas schneller war als wir. Bunahk machte uns zunächst mit unseren Kolleginnen und Kollegen bekannt. Das Team der Schule besteht aus Sokong, Salun, Thea, Sam und Bunhak. Togh, der VDCA mitgegründet hat und Chef der Organisation ist, arbeitet hauptsächlich von Siem Reap aus und ist daher nur relativ selten an der Schule selbst. Bunahk ist der Manager der Schule, jeden Tag vor Ort und unser Mentor. Sokong unterrichtet die Schüler*innen nachmittags in Textilverarbeitung. Unter anderem werden aus recycelten Materialien im Unterricht beispielsweise Armbänder, Taschen und Etuis hergestellt und im Dorf beziehungsweise auf dem Markt verkauft. Salun und Thea unterrichten vor- und nachmittags mehrere Klassen in Englisch. Sam ist mit 23 Jahren der jüngste Lehrer. Er gibt Computerunterricht. Dabei lernen die Schüler*innen im Media-Center der Schule spielerisch mit zehn Fingern zu schreiben und mit MS-Excel und Word umzugehen, Kalkulationen zu erstellen und Berichte zu schreiben.

Auf dem Schulgelände gibt es insgesamt drei Klassenzimmer, ein Zimmer in dem die Schüler die Textilverarbeitung lernen konnten, sowie ein Media Center, in dem eine kleine Bücherei und – entgegen meiner Erwartung – zahlreiche Laptops standen. Die Klassenzimmer waren sehr hell, da eine Seite zum Schulhof hin offen war. Gegenüber der Klassenzimmer gibt es einen Pausenraum, der ebenfalls überdacht ist, aber keine geschlossenen Wände hat. Insgesamt wirkt die Schule sehr offen und einladend auf mich. Lediglich das kleine Gebäude, in dem das Lehrerbüro mit Unterrichtsmaterialien steht und die Küche, haben geschlossene Wände – mehr: https://www.youtube.com/watch?v=dIYFpTWviro

Die Schule befindet sich eigentlich auf dem Grundstück des Nachbarn, Herrn Sok. Herr Sok begrüßt uns seit unserem ersten Tag stets breit grinsend und gut gelaunt. Es ist schwierig, ihm über den Weg zu laufen, ohne auf eine Kleinigkeit zu Essen oder ein Getränk eingeladen zu werden – da spielt auch die Sprachbarriere keine Rolle.

Kulinarisch war unser erster Tag ein Highlight: kaum an der Schule angekommen wurde uns erklärt, dass es zur Feier des Tages Ente und Ameisensuppe geben wird. Ameisensuppe? Ja, Ameisensuppe. Wichtig: nur die größeren, roten Ameisen, die auf Bäumen und Sträuchern leben, können dazu verwendet werden. Wenn man diese in die kochende Brühe gibt, verleiht das der Suppe eine säuerliche Note. Fazit: während die Suppe geschmacklich echt in Ordnung ist, muss ich mich an die Konsistenz der Ameisen zwischen den Zähnen wohl erst noch gewöhnen. Insgesamt muss ich aber sagen, dass ich an der Schule bisher echt lecker gegessen habe. Sokong hat wirklich das leckerste kambodschanische Essen aus dem Hut gezaubert, das ich in meiner Zeit hier bisher gegessen habe. Hinzu kommt, dass eigentlich in jedem Mittagessen Salat, Wasserspinat, Ingwer oder Kräuter sind, die an der Schule selbst angebaut werden. Das Hühnchen ist vom Nachbarn, der Reis aus dem Dorf, das Gemüse zum Teil selbst angebaut. Somit ist das Essen nicht nur sehr ausgewogen, sondern auch noch lokal erzeugt.

Neben den Gebäuden stehen auf dem Schulgelände zudem einige Hochbeete, in denen Salate und Kräuter wachsen, zahlreiche kleinere Beete mit Zitronengras, Aloe Vera und Ingwer. Hier und da steht ein Limettenbaum. Hin und wieder durften wir auch eine Portion der Ernte mit nach Hause nehmen. Interessanterweise habe ich in meinen ersten drei Monaten hier in Kambodscha noch keine einzige Zitrone gesehen, konnte aber leider auch noch nicht herausfinden, woran das liegt. Bisher habe ich von den Leuten meistens die Antwort erhalten, was ich denn mit Zitronen wolle, es gäbe doch Limetten. Stimmt ja auch irgendwie.

Bunhak führte uns weiter, vorbei an Herrn Soks Haus und dann einmal quer durch die Reisfelder bis wir nach ca. 200 Metern und bereits gut schwitzend vor einem Grundstück standen, das in etwa die Fläche eines Fußballfeldes hat und von einem Zaun umgeben ist. In etwa ein Viertel des Grundstücks wird von einem Teich ausgefüllt. In der Mitte unterteilt eine Reihe großer Palmen das Grundstück in zwei Hälften. Das Grundstück gehört ebenfalls VDCA. Vor zwei Jahren wurde dort der rund zwei Meter tiefe Teich ausgehoben und sollte zur Fischzucht dienen. Außerdem sollte die dann verbliebene Fläche zum Anbau von Fisch- bzw. Tierfutter sowie für Gemüse und Obst für die Schule und den Kindergarten dienen. Da dazu jedoch die Ackerfläche erst einmal umgegraben und anschließend Felder angelegt werden müssten, fehlten der Schule in der Vergangenheit die nötigen Hände, die mit anpacken.

Und so kam es, dass Bunhak uns vorschlug, den Fokus unserer Zeit bei VDCA auf das Farmprojekt zu legen. Am Ende unserer zwölf Monate sollte auf dem Gelände von VDCA neben zahlreichen (Hoch-)Beeten ein Fischteich und eine kleine Hühnerfarm vorhanden sein. Im Idealfall könnten wir zusammen mit Bunhak zudem Agrar-Workshops für die SchülerInnen und interessierte DorfbewohnerInnen entwerfen. Bunahk erklärte uns, dass es manchmal schwierig sei, die DorbewohnerInnen davon zu überzeugen, dass es eine gute Idee ist, ihre Kinder in den kostenlosen Englisch-, Computer- oder Textilunterricht an der Schule von VDCA zu schicken. Auch wenn Bunhak diese Einstellung nicht teilt, kann er die Leute teilweise verstehen. Manche haben die Erfahrung gemacht, trotz eines Schul- oder sogar Universitätsbesuchs keine besonders gute Arbeitsstelle gefunden zu haben. Dadurch wird die Sinnhaftigkeit bspw. des Englischunterrichts in Frage gestellt. Gleichzeitig verfügen viele der Familien im Ort ein kleines Stückchen Land, das aber nicht immer optimal genutzt wird – zum Teil weil die Zeit fehlt, manchmal aber auch das Know-How oder lediglich der entscheidende letzte Impuls. Deshalb hofft Bunhak, durch das Angebot von Agrar-Workshops die Akzeptanz der Schule insgesamt vor Ort langfristig sichern zu können.

Das Farmprojekt hat aber noch weitere Ziele. Einerseits soll der Anbau von Gemüse und die Aufzucht von Fischen und Hühnern zunächst die Verpflegung der Angestellten unterstützen. Sobald das Projekt groß genug ist und mehr Nahrungsmittel erzeugt werden können, sollen diese auf dem lokalen Markt und gegebenenfalls an Restaurants verkauft werden. Durch beide Stufen würde VDCA finanziell entlastet werden, da weniger Kosten für das Mittagessen entstehen und im besten Fall sogar weniger Spenden gesammelt werden müssen, da mit dem Verkauf von Nahrungsmitteln selbst Geld erwirtschaftet werden kann.

Unser Tagesablauf bestand in der ersten Zeit also darin, die bereits vorhandenen Hochbeete mit frischer Erde zu befüllen, die Pflanzen und das Gemüse zu wässern und neue Beete anzulegen. Auf der Farm haben wir zwei Reihen zu je zwanzig kleinen Chaya-Bäumchen angepflanzt. Außerdem noch einmal genauso viele Pflänzchen Zitronengras.

 

Weitere Infos zu:

VDCA: https://www.vdca-cambodia.org/

VJF: https://www.vjf.de/

weltwärts: https://www.weltwaerts.de/