Bildung ist Hilfe zur Selbsthilfe: compentus/ Stiftung unterstützt Florian bei seinem weltwärts-Projekt

Ich bin Florian, 28 Jahre alt und seit Herbst 2019 als Teilnehmer des weltwärts-Programms in Kambodscha. In den kommenden Monaten möchte ich an dieser Stelle von meiner Arbeit, den Eindrücken und meinen Erlebnissen in dem südostasiatischen Land berichten. Für Fragen oder Feedback stellt die compentus/ Stiftung selbstverständlich gerne den Kontakt zu mir her.

Florian Duffner

Florian Duffner

 

Florian Duffner

Nach meinem Abitur habe ich – anders als einige meiner Freunde – keinen Bundesfreiwilligendienst absolviert, sondern direkt mein Studium begonnen. Obwohl ich während meines Studiums zwei Mal für mehrere Monate im Ausland gelebt habe, habe ich am Ende der Studienzeit bemerkt, dass mir das noch nicht ausgereicht hat. Ich wollte noch einmal für einen längeren Zeitraum ein anderes Land und die Kultur kennenlernen. Da viele meiner Freunde ihr Studium zu dieser Zeit beendeten und sich auf Jobsuche machten, herrschte im Freundeskreis ohnehin eine gewisse Aufbruchstimmung. Ich selbst fürchtete, dass ich – einmal in der Arbeitswelt angekommen – in näherer Zukunft nicht die Möglichkeiten haben würde, um alles für mehrere Monate mal hinter mir lassen zu können. Der Zeitpunkt schien also optimal.

Wieso weltwärts?
Während meines Studiums wurde mir immer stärker bewusst, über wie viele Privilegien ich verfüge und wie stark diese an meine Bildungschancen gekoppelt waren. Durch Sprachunterricht in der Schule und kostenlose Sprachkurse an der Uni kann ich mich heute in vielen Ländern problemlos verständigen, mir mit Hilfe von Büchern und Internet selbstständig neues Wissen aneignen, bin dadurch weniger auf die Hilfe von anderen angewiesen. Nun möchte ich meine Zeit im Ausland dazu nutzen, etwas für das Wohl anderer Menschen zu tun. Bei meiner Entscheidung ging es mir also nicht darum, in möglichst kurzer Zeit so viele Länder wie möglich zu bereisen. Vielmehr wollte ich mir die Zeit nehmen, um das Leben der Menschen in einem fremden Land und im Alltag kennenzulernen und dabei im besten Fall einer sinnstiftenden Arbeit nachzugehen.

Vor diesem Hintergrund schien das weltwärts-Programm des Bundes die richtige Wahl für mich zu sein. Das Programm gleicht einem Stipendium, das zu 75 % vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und zu 25 % über einen spendenfinanzierten Trägerverein finanziert wird. Die Freiwilligen arbeiten dabei für sechs bis 24 Monate in einem Entwicklungsprojekt im Ausland. Bei den meisten Projekten handelt es sich um Arbeit im sozialen, ökologischen oder kulturellen Bereich.

Die Vereinigung Junger Freiwilliger e.V. (VJF e.V.) in Berlin hat mich bei meiner Projekt- und Organisationswahl am meisten überzeugt: überparteilich, überkonfessionell, langjährige Erfahrungen mit weltwärts-Projekten in der ganzen Welt. Dort habe ich mich auf eine Stelle als Lehrer für Englisch- und Computerunterricht in einer Schule in Siem Reap (Kambodscha) beworben und eine Zusage bekommen. Träger der Schule ist die NGO Volunteer Development Children Association, kurz VDCA. Die Projektbeschreibung und Erfahrungsberichte versprachen, dass es neben der Arbeit als Lehrer genügend Freiraum für eigene Ideen und Projekte an der Schule gibt, die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort sehr gut funktioniert und Siem Reap zahlreiche Möglichkeiten für ein spannendes Jahr in Kambodscha bietet. Gleichzeitig würde ich vielen jungen Menschen dabei helfen können, eine Fremdsprache und den Umgang mit Computern zu erlernen. Wenn man bedenkt, dass Kambodscha und insbesondere Siem Reap von vielen Touristen bereist wird, wird einem schnell klar, dass die Chancen für die Menschen, einen guten Arbeitsplatz zu finden, mit Englischkenntnissen deutlich steigen.

Während ich mit zahlreichen Behördengängen und Arztbesuchen beschäftigt war und der Termin für den Abflug näher rückte, musste die VDCA die Schule in Siem Reap schließen und betreibt nun nur noch eine Schule in Anlung Pi, einem Dorf etwa 20 Kilometer außerhalb von Siem Reap. Für mich würde die Schließung der Schule in Siem Reap zwar andere Arbeitszeiten und einen längeren Anfahrtsweg bedeuten, zugleich würde ich so neben dem Stadtleben in Siem Reap das Leben auf dem Land kennenlernen und hoffentlich ein umfassenderes Bild von Kambodscha bekommen…

Erste Eindrücke aus Kambodscha
Ein neuntägiges Seminar der Entsendeorganisation VJF e.V. sollte uns Freiwilligen kurz vor dem Abflug noch einmal bestmöglich auf unsere Zeit im Ausland vorbereiten. Und dann war es also so weit: Abflug in Hamburg, Layover in Dubai, keine 24 Stunden später war ich mit elf weiteren Freiwilligen in Phnom Penh. Es war Mitte August, Regenzeit und damit deutlich wärmer als in Hamburg (Überraschung), dafür nicht weniger feucht. Die Hauptstadt Kambodschas wirkte auf mich zuerst laut, chaotisch und etwas heruntergekommen. Ich habe mich aber relativ schnell an den Verkehr und die Lautstärke gewöhnt und mag die Stadt mit ihrer Architektur, ihrem Kulturangebot und ihrem Nachtleben inzwischen echt gerne. Uns erwarteten hier weitere drei Tage Info-Seminar im Meta House, einem deutsch-kambodschanischen Kulturzentrum.

 

Häuserfassade in Phnom Penh mit typischer Verkabelung

 

Die Hauptstadt Kambodschas hat aber auch einige grüne Ecken

Im Rahmen des Seminars besuchten wir unter anderem das ehemalige Foltergefängnis der Roten Khmer. Den Besuch würde ich allen, die nach Kambodscha reisen, sehr empfehlen. Oft versteht man Dinge, die einem in Kambodscha zunächst vielleicht als seltsam empfindet besser, wenn man sie im Zusammenhang der jüngeren, von Genozid und Bürgerkrieg geprägten Geschichte des Landes sieht. Phnom Penh war allerdings nur ein kurzer Zwischenstopp für mich. Nach vier Tagen ging es weiter nach Siem Reap.

Siem Reap ist deutlich kleiner als Phnom Penh und zudem Kambodschas Tourismus-Hotspot. Das merkt man auch am Stadtbild: Siem Reap ist ein bisschen sauberer, ein bisschen weniger chaotisch und ein bisschen ruhiger als Phnom Penh. Die erste Woche konnte ich etwas abgelegen vom Stadtzentrum unterkommen. Die Vermieterin, bei der auch drei andere Freiwilligen der VJF wohnen, hatte noch eine Wohnung frei. Diese Wohnung teilte ich mir mit Felix, mit dem ich für das Projekt in Anlung Pi eingeteilt bin. Das Grundstück, auf dem drei Häuser für Freiwillige stehen, gleicht einem großen Park mit Mangobäumen und Gemüsegärten, überall hört man Tiergeräusche und die Nachbarn haben eine Krokodilfarm. Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt, allerdings wäre der Weg zur Arbeit viel zu weit, weshalb Felix und ich uns mit Hubert zusammengeschlossen haben, um eine Wohnung zu suchen, die für uns besser gelegen ist.

Das war meine Unterkunft für die erste Woche in Siem Reap…


Meine Nachbarn

Der Wohnungsmarkt in Siem Reap ist glücklicherweise relativ entspannt: Besichtigung, Unterschrift und Einzug waren nach drei Tagen erledigt – so schnell habe ich während meines ganzen Studiums keine Wohnung gefunden… Unser Vermieter war sehr freundlich und hatte, wie auffällig viele KambodschanerInnen, stets ein Lächeln auf den Lippen. Bei unserem Einzug in die neue Wohnung begrüßte uns ein grauer Kater in der Einfahrt und machte es sich prompt auf der Veranda gemütlich. Der Kater entpuppte sich als ein sehr gemütlicher Weggefährte.

Kater Bingbing bei seiner Lieblingsbeschäftigung

Da Felix und ich bei demselben Projekt arbeiten, haben wir uns ein paar Tage nach unserer Ankunft in Siem Reap mit Bunhak, unserem Chef, getroffen. Bunhak hat uns herzlichst und gut gelaunt empfangen, um uns das Wichtigste für unseren ersten Arbeitstag zu zeigen. Außerdem würde uns Sokney, ein guter Freund von Bunhak, am ersten Tag mit seinem Tuktuk nach Anlung Pi zur Schule bringen. Wir würden ihn in unserer Zeit als Freiwillige noch häufiger treffen: um sich als Tuktukfahrer besser mit Touristen unterhalten zu können, würde er gerne sein Englisch verbessern. Über Bunhak kam der Kontakt zu den Freiwilligen vor Felix und mir zustande, sodass diese sich regelmäßig mit Sokney und seiner Familie getroffen haben, um gemeinsam Dinge zu unternehmen oder einfach zusammen zu Essen und zu plaudern. Das war den ehemaligen Freiwilligen zufolge immer lustig und gab gute Einblicke in den Alltag einer kambodschanischen Familie. Deshalb wollten Felix und ich das auch unbedingt weiterführen, aber dazu nächstes Mal mehr…

Pünktlich um 08:00 Uhr morgens stand Sokney an unserem ersten Arbeitstag mit seinem Tuktuk bereit, um Felix und mich zur Arbeit zu bringen. Eine knappe Stunde sollte die Fahrt dauern und ich war mehr als gespannt, was uns in Anlung Pi erwarten würde.

Bis dahin,

Florian

 

 

Bildrechte: Alle Bilder stammen von Florian oder seinen Freunden.

Weitere Informationen zur compentus/ Stiftung:
Dr. Frauke Schlütz, mobil 0151 – 18043624

Weitere Informationen:
VJF: https://www.vjf.de/
VDCA: https://www.vdca-cambodia.org/
weltwärts: https://www.weltwaerts.de/